Manchmal entsteht ganz leise der Wunsch, mit jemandem zu sprechen. Und genau dann ist niemand da, an den man sich wenden kann. Oder man merkt, dass es guttäte, mit jemandem außerhalb des eigenen Umfelds zu reden, etwa wegen kleiner Tiefpunkte im Alltag wie Streit, Überforderung, Stress im Arbeitsleben oder einfach so. Für solche Momente gibt es die Telefonhilfe.
108. Drei Zahlen genügen und man ist nicht mehr allein mit seinen Gedanken. Am anderen Ende der Leitung sitzt ein Mensch, der zuhört: ohne zu urteilen, mit Respekt, Anonymität und echter Aufmerksamkeit.
Gemeinsam stark
Im Kern geht es der Telefonhilfe darum, Menschen zu stärken und ihnen ein Gefühl von Verbundenheit zu geben. Eine Mission, die sie mit Cera teilt und die auch Sigrid Roobroeck, Leiterin der Telefonhilfe, geprägt hat.
„Das Wertvollste, was wir schenken können, sind Zeit und Aufmerksamkeit“, sagt Roobroeck. Deshalb unterstützt der Regionale Beratungsausschuss Ostbelgien die Ausbildung der Freiwilligen und den Ausbau des Angebots. So können die Helfer in schwierigen Momenten verlässlich da sein, wenn jemand ein offenes Ohr braucht.
Wenn Verbindung fehlt
Am Telefon geht es meist um alltägliche Sorgen: Beziehungen, die nicht mehr funktionieren, Spannungen im Umfeld oder das Gefühl, keinen Anschluss zu finden. Auch Einsamkeit spielt häufig eine Rolle. „Viele Menschen rufen nicht an, wenn alles zusammenbricht“, sagt Roobroeck, „sondern wenn sie etwas beschäftigt, das sie nicht mehr loslässt.“
Im Chat werden schneller Themen angesprochen, die unter die Haut gehen, etwa Essstörungen, Missbrauch oder Suizidgedanken. „Es ist wichtig, dass auch solche Gedanken geteilt werden können“, sagt Roobroeck. Die Telefonhilfe bietet genau diesen Raum, ohne zu urteilen und ohne Tabus. Ob am Telefon, per Mail oder im Chat: Die Freiwilligen hören zu und helfen, Gefühle in Worte zu fassen und neue Perspektiven zu eröffnen.
Ein Ort für Worte
Seit 1989 gibt es die Telefonhilfe in der deutschsprachigen Gemeinschaft. Sie entstand aus der Überzeugung, dass Menschen in ihrer Muttersprache leichter über ihre Gefühle sprechen können.
48 Freiwillige tragen die Telefonhilfe. Menschen mit unterschiedlichen Lebenswegen, die sich bewusst entscheiden, für andere da zu sein. Im Jahr 2025 führten sie rund 3.500 Gespräche, etwa zehn pro Tag. Sie engagieren sich von zu Hause aus, im Hintergrund und doch mit großer Wirkung. „Es sind sehr wohlwollende Menschen“, sagt Roobroeck mit Stolz. „Menschen, die bereit sind, sich wirklich auf andere einzulassen.“
Zuhören lernen
Was einfach klingt, braucht Übung. Zuhören ist keine Selbstverständlichkeit, sondern etwas, das gelernt werden will. Die Freiwilligen werden sorgfältig vorbereitet und begleitet. Im Mittelpunkt steht vor allem das Zuhören. Nicht sofort reagieren. Nicht bewerten. „Es geht zuerst darum, wirklich zu hören, was gesagt wird“, erklärt Roobroeck. Hinter vielen Gedanken steckt ein Gefühl, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Wird es ausgesprochen, wird es oft schon leichter.
Eine Einladung
„Man muss nicht warten, bis es einem zu viel wird“, sagt Roobroeck. Wer merkt, dass ein Gespräch guttun könnte, darf sich jederzeit melden.
Gleichzeitig ist es auch eine Einladung, im Alltag besser zuzuhören: das eigene Kopfkino auszuschalten und sich wirklich auf das Gegenüber einzulassen. Oft brauchen Menschen keine Antwort, sondern das Gefühl, gehört zu werden.
Und vielleicht geht diese Einladung noch einen Schritt weiter: Zeit zu schenken und für andere da zu sein, wie man es selbst manchmal braucht.
Denn genau das macht den Unterschied.
Ein Gespräch.
Und jemanden, der da ist.
Die Telefonhilfe schenkt Menschen Zeit, Aufmerksamkeit und ein offenes Ohr. Dank der Unterstützung von Cera kann dieses wichtige Angebot weiter ausgebaut werden. Und das Beste: Auch Sie können mitentscheiden, welche Projekte in Ihrer Region Unterstützung erhalten.